Unterricht
Der Unterricht orientiert sich an den Inhalten des Lehrplans und berücksichtigt den spezifischen Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler. Gestaltet wird er mittels Einsatz verschiedener Lehrmittel.
Was im Unterricht geschieht, ist in den Grundsätzen im Lehrplan vorgegeben. Die Prüf- und Beurteilungsverfahren dienen der Standortbestimmung und sind die Grundlage für die Promotions- bzw. Übertrittsentscheide.
Ergänzend dazu fördern persönliche Begegnungen mit anderen Kulturräumen und Landessprachen die Freude am Lernen der Sprache und erweitern den Horizont. Einblicke in künstlerische Denk- und Arbeitsweisen erweitern die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in nachhaltiger Weise.
Basis für eine motivierende Lernumgebung für alle ist eine gute Zusammenarbeit sowie eine sichere Bindung und Beziehungsgestaltung im Unterricht.
Bindung und Beziehungsgestaltung
Bindung entwickelt sich auf der Basis von wiederholten Erfahrungen mit der Bezugsperson und stellt die innere Erwartung eines Kindes in Bezug auf die Verfügbarkeit und Verlässlichkeit dieser dar. Wenn Erwachsene zuverlässig und einfühlsam reagieren, entwickeln Kinder über die Zeit hinweg eine sichere Bindung. Diese Sicherheit ermöglicht es ihnen, ihre Umgebung zu erkunden und Neues zu lernen. Eine sichere Bindung und tragfähige Beziehung zu feinfühligen Erwachsenen ist sowohl für den Lernerfolg als auch für die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zentral. Kinder mit einer sicheren Bindung weisen in der Regel ein höheres Selbstwertgefühl auf, können leichter Emotionen regulieren und Freundschaften pflegen.
Beziehungsgestaltung durch Lehrpersonen für motivierende Lernumgebung
Neben den Eltern kommt auch Lehrpersonen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung von Bindung und Beziehung zu. Durch eine bewusste Beziehungsgestaltung können Lehrpersonen eine motivierende Lernumgebung für ihre Schülerinnen und Schüler unterstützen, die Lernfreude stärken und soziale und emotionale Kompetenzen fördern. Dabei hat auch die eigene Bindungserfahrung einen Einfluss auf die Beziehungsqualität mit dem Kind und muss daher reflektiert werden. Die Lehrperson trägt die Verantwortung für die eigene Emotionsregulation und Reflexion der eigenen Bindungsreaktionen. Weiter kann der Aufbau einer tragfähigen Beziehung durch verschiedene Schlüsselfaktoren unterstützt werden: Bewusste gemeinsame Zeiten, aktives Zuhören und Empathie sind dabei zentral. Individuelle Bedürfnisse und Interessen von Schülerinnen und Schüler sollen erkannt und wenn möglich im Unterricht berücksichtigt werden. Ein wertschätzendes Klassenklima, klare Regeln und Strukturen, Verlässlichkeit bei Abmachungen, der konstruktive Umgang mit Konflikten und eine transparente Kommunikation tragen zusätzlich zu positiven Beziehungen bei.
Entwicklungs- und lernförderlicher Unterricht
Alle Schülerinnen und Schüler bauen Wissen auf unterschiedliche Weise auf. Sie benötigen vielfältige Zugänge zum Lernstoff. Manche lernen eher selbstständig, andere profitieren von kooperativen Lernformen. Einige benötigen visuelle oder handelnde Zugänge, andere stärker sprachliche oder auditive Unterstützung. Auch Beeinträchtigungen, Sprachbarrieren oder belastende Lebensumstände können besondere pädagogische Bedürfnisse mit sich bringen. Trotzdem sollen alle an Lerninhalten und -aktivitäten ungehindert teilhaben – unabhängig von individuellen Lernvoraussetzungen. Die Grundlage dafür bildet ein tragfähiges Classroom-Management, ein wertschätzendes Klassenklima und eine unterstützende Schulkultur.
Lernen ohne Barrieren
Mit einer von Beginn weg möglichst barrierearmen Unterrichtsgestaltung lässt sich der Individualisierungsaufwand und der Bedarf an zusätzlicher Begleitung deutlich reduzieren. Das "Universal Design for Learning" – kurz UDL – ist ein evidenzbasiertes didaktisches Rahmenmodell zur Gestaltung schulischer Settings. Damit lassen sich Lernumgebungen von Grund auf so gestalten, dass Lernbarrieren erst gar nicht entstehen.
Drei Prinzipien des Universal Design for Learning
Beim Lernen arbeiten im Gehirn drei Netzwerke zusammen: das affektive Netzwerk, das Lern- und Wahrnehmungsnetzwerk sowie das Strategie-Netzwerk. Daraus ergeben sich drei Prinzipien für die Gestaltung von Unterricht im Sinne des Universal Design for Learning (UDL).
Das "Warum" des Lernens - Affektive Netzwerke (Engagement und Beteiligung)
Das affektive Netzwerk im Gehirn ist für die Steuerung von Emotionen und Gefühlen während des Lernprozesses verantwortlich und bestimmt das grundlegende "Warum" des Lernens. Deshalb soll die emotionale Ebene des Lernens und die Motivation für das Aufrechterhalten von Anstrengung und Ausdauer adressiert werden, bspw. durch:
- Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Themen oder Formen von Aufgaben, wie Lernziele erreicht werden können,
- Aufgaben, die sich auf die Lebenswelt der Lernenden beziehen,
- eine fürs Lernen angstfreie und fehlerpositive bzw. entwicklungsorientierte Umgebung (auf Ebene der individuellen Beziehung, der Klasse und des Schulhauses),
- verschiedene bereitstehende Schwierigkeitsstufen,
- die Pflege von Zusammenarbeit und Gemeinschaft (z.B. durch Rituale),
- Feedbacks, die unmittelbar, konstruktiv und handlungsorientiert sind.
Das "Was" des Lernens - Wahrnehmungsnetzwerke (Darstellung und Erklärung)
Das Lern- und Wahrnehmungsnetzwerk im Gehirn steuert die Aufnahme von Sinneseindrücken und bestimmt das grundlegende "Was" des Lernens. Deshalb soll die Art und Weise, wie Informationen präsentiert und von den Lernenden wahrgenommen und verstanden werden können, adressiert werden, bspw. durch:
- Strukturierungshilfen, die der Entlastung dienen,
- Inhaltsangebot in verschiedenen Formaten (handelnd lernen, mit Texten, realen Objekte, Bildern, Videos, Audios, usw.),
- Einsatz digitaler Formate nutzen, die maschinell verarbeitet werden können (bspw. Texte anhören, interpretierbare Bilder, etc.),
- Verwendung von Visualisierungen (begleitend, ergänzend, unterstützend),
- altersgerechten Einsatz von Fachbegriffen und Symbolen,
- Hervorhebung/Akzentuierung wichtiger Informationen (Markierungen, Fettschrift, Betonung, etc.)
Das "Wie" des Lernens - Strategische Netzwerke (Handlung und Ausdruck)
Das strategische Netzwerk im Gehirn ist für die Planung und Ausführung zielgerichteter Handlungen zuständig und bestimmt das grundlegende "Wie" des Lernens. Deshalb soll adressiert werden, wie Lernende Handlungsstrategien planen, strukturieren und ihrem erworbenen Wissen Ausdruck verleihen können, bspw. durch:
- Anleitung und Hilfen zur Handlungsstrukturierung (wie etwa die Zerlegung von Lernzielen in Teilziele),
- Zulassen verschiedener Präsentationsformen: Text, Video, Plakat, szenische Darstellung, etc.,
- ermöglichen von Gruppen- und/oder Einzelarbeit,
- Angebot an assistiven Technologien (bspw. Vorlesehilfe) und digitaler Tools,
- Angebot an verschiedenen Übungs- und Automatisierungsmöglichkeiten (Paper-Pencil, computergestützt, handelnd (physische Aktivität)).
Umsetzung im Unterrichtsalltag
Bei der Umsetzung eines entwicklungs- und lernförderlichen Unterrichts dienen folgende Leitsätze als Orientierung.
Trennung von Ziel und Methode
Eine gute Didaktik trennt das eigentliche Lernziel von der Methode der Informationsaufnahme. Wenn das definierte Ziel einer Lektion eng an eine vorbestimmte Methode gebunden ist, behindert das den inhaltlichen Zugang für Lernende. Das ist bspw. dann der Fall, wenn ein Sachthema ausschliesslich über einen komplexen Lesetext erarbeiten werden muss. Lernende mit Leseschwierigkeiten oder Sehbeeinträchtigungen werden sich diesen Inhalt kaum erschliessen können. Durch die konsequente Trennung von Ziel und Methode kann bereits bei der Gestaltung des Unterrichts vorgesehen werden, wann alternative Darbietungsformen (wie etwa Vorleseprogramme, Audio-Dateien, Videos oder multimodale Darstellungen) eingesetzt werden. Damit wird sichergestellt, dass mögliche Hürden und Behinderungen beim Lernen erst gar nicht entstehen.
Ressourcenorientierung und Barrierenabbau statt Defizitblick
Der Perspektivenwechsel vom Fokus auf die Defizite einzelner Lernender hin zur Identifikation und Abbau von Barrieren in der Unterrichtsgestaltung legt für die Lernenden und die Lehrpersonen neue Ressourcen frei. Von einer vorausschauenden, barrierefreien Gestaltung von Lernumgebung profitieren alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse.
Förderung von Bildungsgerechtigkeit
Schülerinnen und Schüler bringen sehr unterschiedliches Vorwissen mit. Es ist durch ihre familiäre und soziale Herkunft geprägt. Die Anerkennung unterschiedlicher Herkunftsmilieus und die Pflege von Empathie, Respekt, sozialer Wertschätzung bilden die Basis für Bildungsgerechtigkeit.