Schulische Heilpädagogik und Logopädie

Kinder und Jugendliche mit Aufenthalt im Kanton Aargau haben das Recht, diejenigen öffentlichen Schulen zu besuchen, die ihren Fähigkeiten entsprechen und deren Anforderungen sie erfüllen. Für besondere schulische Bedürfnisse stehen geeignete Förderangebote und pädagogisch-therapeutische Massnahmen zur Verfügung.

Alle Kinder und Jugendlichen werden grundsätzlich im Regelkindergarten und in der Regelschule unterrichtet. Sie sollen dort Schritt für Schritt in ihrer schulischen Entwicklung weiterkommen. Auch für die Schulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen sind Regelkindergarten und -schule als Normalfall verankert. Die Voraussetzungen für eine Zuweisung in einen Sonderkindergarten oder in eine Sonderschule sind dann erfüllt, wenn das Kind, der oder die Jugendliche keinen sinnvollen Nutzen aus dem Besuch des Regelunterrichts ziehen kann oder wenn die Schwere der Behinderung dem Unterricht der anderen Schülerinnen und Schüler ernstlich entgegensteht. Damit wird an der Aargauer Volksschule das Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes konsequent umgesetzt.

Massnahmen in der Regelschulung

Die Schulung, Förderung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit heilpädagogischem oder logopädischem Bedarf umfasst folgende Massnahmen:

  • Individualisierender und gemeinschaftsbildender Unterricht
  • Heilpädagogische Unterstützung in Regel-, Einschulungs- und Kleinklassen
  • Logopädietherapie
  • Behinderungsspezifische Beratung und Begleitung
  • Nachteilsausgleich

Die untenstehende Abbildung zeigt, wie diese Massnahmen in Abhängigkeit des besonderen schulischen Bedarfs und in der Kombination mit Massnahmen der Diagnostik und der Beurteilung für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen.

Zusammenführung der Hinweise zur Schulischen Heilpädagogik und Logopädie

Die beiden Inhalte der Handreichungen "Heilpädagogik in Regelklassen und Kleinklassen" und "Logopädie- und Legasthenietherapie" sind neu zusammengeführt und im Schulportal als Seiteninhalte auf dieser und den entsprechenden Unterseiten verfügbar. Das Broschürenformat wird nicht mehr weitergeführt. Wesentliche Anpassungen 2020:

  • Anpassungen aufgrund von Veränderungen, die mit der neuen Ressourcierung und dem neuen Aargauer Lehrplan Volksschule einhergehen,
  • Berücksichtigung, dass Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung grundsätzlich in der Regelschule gefördert werden,
  • neue Grafik zu den Massnahmen in der Regelschule (siehe oben),
  • Erhebungsformular zur logopädischen Erfassung im Kindergarten.

Tragfähige Schulen und Klassen

Schulische Heilpädagogik und Logopädietherapie, die in Regelklassen, in Einschulungsklassen oder in Kleinklassen eingesetzt werden, können sich günstig auf die Tragfähigkeit der Schule bzw. der Klassen auswirken. Tragfähig sind Schulen und Klassen, denen es gelingt, einem möglichst breiten Spektrum von Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, so dass diese ihre Schulzeit in der Regelschule verbringen und erfolgreich lernen können.

Konfliktlösekapazität

Die Tragfähigkeit einer Schule kann systemtheoretisch als Konfliktlösekapazität verstanden werden. Konflikte entstehen in einer Schule auf verschiedenen Ebenen bzw. in unterschiedlichen Systemen oder Handlungsfeldern. Die Konfliktlösekapazität einer Schule ist so betrachtet die Fähigkeit eines Systems, in verschiedenen Feldern Veränderungen und Anpassungen vorzunehmen, sodass der institutionelle Auftrag besser erfüllt werden kann (vgl. Barth, Kunz, Luder, 2019).

Schulische Heilpädagogik und Logopädietherapie, die in Regelklassen, in Einschulungsklassen oder in Kleinklassen eingesetzt werden, können sich günstig auf die Tragfähigkeit der Schule bzw. der Klassen auswirken. In einer durch das Departement Bildung, Kultur und Sport in Auftrag gegebenen Studie wird dargelegt, welche Faktoren massgeblichen Einfluss haben:

Ebene Schule

  • Multiprofessionelle Kooperation mit gemeinsamer Verantwortungsübernahme im Team.
  • Professionelle Formen der Selbstreflexion wie Teamcoaching und Fallbesprechungen.
  • Einbezug der Schulsozialarbeit bei der Integration verhaltensauffälliger Schülerinnen und Schüler.
  • Beizug des Schulpsychologischen Diensts (auch in Reflexionsphasen) und von Fachstellen.

Ebene Klasse/Unterricht

  • Verständnis für und Rücksichtnahme auf individuelle Verhaltensvoraussetzungen durch Klärung der Verhaltensnormen im Klassenrahmen schaffen. Im gelingenden Fall werden die Unterschiede zwischen den Mitgliedern einer Klasse deutlicher wahrnehmbar. Gleichzeitig wächst die Klasse als Gruppe zusammen, weil es im Lauf dieser Entwicklung immer normaler wird, verschieden zu sein. Diese Dialektik zwischen Individuation und Vergemeinschaftung wirkt für Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten entlastend und deshalb integrierend.
  • Förderung kollektiver Lernprozesse und sozialen Lernens in der Klassengemeinschaft, Vermeidung von Stigmatisierung und Ausgrenzung.

Ebene Person/Personalentwicklung

  • Einbindung von sonderpädagogisch ausgebildetem Personal, das mit abweichendem Verhalten innerhalb von Klassengruppen umzugehen weiss.
  • Aufbau von Handlungskompetenzen im Umgang mit auffälligem Verhalten und in Klassenführung "on the job".
  • Bewusste und reflektierte Beziehungsgestaltung zwischen Lehrpersonen und Lernenden.

Literatur

Barth, Kunz, Luder, 2019: Schlussbericht der Hochschule für Heilpädagogik zum Umgang von Schulen mit sozial beeinträchtigen Schülerinnen und Schülern

Orientierungsraster zum Umgang mit Vielfalt

Gestützt auf § 7a der Verordnung über die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen schulischen Bedürfnissen formuliert das Departement Bildung, Kultur und Sport Standards zur heilpädagogischen Unterstützung von Regelklassen. Zusammen mit der Pädagogischen Hochschule FHNW wurden Orientierungsraster für die Schulentwicklung und Schulevaluation entwickelt, die im Teil Umgang mit Vielfalt acht Dimensionen beschreiben, welche die Tragfähigkeit der Schulen und Klassen direkt beeinflussen. Die Ausgestaltung dieser Dimensionen und die Entwicklung in angemessenen und aufeinander abgestimmten Schritten ist Teil des Qualitätsmanagements der Schule.

Pädagogisch wirksame Umsetzung der besonderen Förderung

Schulen stehen in der Verantwortung, ein Bildungsangebot mit einer möglichst grossen pädagogischen Wirkung zu realisieren. Dabei haben sie sich unter anderem an den Bildungsrechten ihrer Schülerinnen und Schüler und an der Chancengerechtigkeit in der Bildung auszurichten.

Zu den Hinweisen auf einen pädagogisch wirksamen Ressourceneinsatz

Rechtliche Grundlagen

Dieser Inhalt richtet sich an

Schulleitung, Oberstufenlehrperson,